Macht uns das Home-Office krank?

Vor welche Herausforderungen stellt uns das Arbeiten im Home-Office?

Das Corona-Virus hat, seit Beginn des Jahres 2020, die Arbeitswelt ziemlich auf den Kopf gestellt und so einige Entwicklungen, die sonst vermutlich längerer Planung bedürft hätten, im Eiltempo vorangetrieben. Ein sehr präsentes Beispiel ist die Arbeit im Home-Office. Das Home-Office wurde jetzt von vielen Befürwortern und Befürworterinnen erprobt und es kristallisieren sich ganz klar verschiedene Typen heraus.

Für einige erweist sich die Zeit im Home-Office als passendes Konzept und wiederum andere verspüren Einsamkeit oder Überforderung.

Macht uns das Home-Office etwa krank?

 

Wie übt sich die Arbeit im Home-Office auf die psychische und physische Gesundheit der Beschäftigten aus?

Das wissenschaftliche Institut der AOK hat im Frühjahr 2019, etwa 2000 Beschäftigte, zwischen 16 und 65 Jahren, befragt. Die Ergebnisse der Befragung wurden im September 2019 im Fehlzeitenreport 2019 veröffentlicht. Diese Studie hat wichtige Ergebnisse zur Arbeit im Home-Office geliefert. Zu berücksichtigen ist sicherlich, dass die Ergebnisse vor der Sondersituation, durch die Corona Pandemie

erfasst wurden, dennoch sind die Ergebnisse äußerst beachtenswert und geben Auskunft über die Risiken und Herausforderungen des Home-Office.

 

Einige Ergebnisse des Fehlzeiten Reports 2019 zur Arbeit im Home-Office:

Warum genau die Beschäftigten im Home-Office stärker psychisch belastet sind, darüber liegen keine Untersuchungsergebnisse vor. Grundsätzlich wird deutlich, dass die psychischen Belastungen im Home-Office prozentual höher sind. Einsamkeit, durch soziale Isolation und Bewegungsmangel im Home-Office verstärken psychischen Stress noch mehr.

Interessant ist, dass trotz der höheren psychischen Belastung die Beschäftigten im Home-Office geringere Fehlzeiten im Endergebnis der Befragung aufweisen.

 

Home-Office höhere Belastung, aber trotzdem zufrieden?

Trotz der eindeutig höheren psychischen Belastung im Home-Office bleibt das Home-Office in der Befragung der AOK im Jahr 2019 beliebt. Viele der Befragten gaben eine höhere Arbeitszufriedenheit, als im Büro an und schätzen ihre Arbeit als allgemein effizienter ein. Auch die Nachteile Einsamkeit und soziale Isolation scheinen für viele Beschäftigte hinnehmbar, da die Vorteile Freiheit und Autonomie enorm geschätzt werden.

 

Verantwortung und Kontrolle – Gefährdungsbeurteilung

Für den Arbeitgeber verbleiben zwei wichtige Fragen:

Wie lassen sich solche Ergebnisse mit der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers/der ArbeitgeberIn vereinbaren?

Wie lässt sich die Einhaltung der Arbeitsschutz- und Arbeitszeitgesetze kontrollieren?

Diese Fragen lassen sich noch nicht ganz befriedigend klären. Wenn ein gesetzliches Recht auf Home-Office im Herbst dieses Jahrs noch beschlossen wird, dann müssen die Verantwortlichkeiten klar geregelt werden. Home-Office braucht klare Regeln zum Schutz der Beschäftigten vor psychischen Gefährdungen und Regelungen für die Umsetzbarkeit des Arbeitszeitgesetzes.

Sicher ist, dass durch die für viele neuartige Home-Office Situation, die Gefährdungsbeurteilungen angepasst werden müssen, um die Situation der Beschäftigten im Home-Office zu erfassen. Nur wenn psychische Gefährdungen bekannt sind, haben Sie die Chance Maßnahmen dagegen zu ergreifen.

Neben der Gefährdungsbeurteilung sind Weiterbildung, insbesondere auch für Führungskräfte sinnvoll. Führungskräfte müssen in gewisser Weise ihre „Führungs-Skills“ erweitern und sich dieser neuen Situation anpassen. Dies umfasst beispielsweise Sensibilisierungen, dass MitarbeiterInnen im Home-Office andere Herausforderungen bewältigen, als diejenigen im Büro ist absolut notwendig. Es muss ein Umdenken und den Arbeits- und Führungsstrukturen stattfinden.

 

Quellen:

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